Dies wird der
wahrscheinlich langweiligste und unsexieste Eintrag überhaupt. Wie man Geld,
das man gar nicht hat, nicht ausgibt, will doch eh keiner wissen, hat man mich
gewarnt. Sehr gut, denn darauf habe ich absolut keine Idee für eine Antwort.
Die Erkenntnis kam, als
ich mit einem Bankberater telefonierte. „Sie haben doch gar nicht genug Geld
auf dem Konto.“ Seine Stimme klang vorwurfsvoll. Ich hatte eine Überweisung
zwei Mal ausgeführt, weil mein Ordnungssinn mein Kurzzeitgedächtnis zwischenzeitlich
k.o. geboxt hatte und nun wies mich der Mitarbeiter darauf hin, dass eine
Stornierung überflüssig sei. „Ah“, war meine Reaktion. Für mehr als eine
Interjektion reichte meine Höflichkeitskontigent nicht aus, denn „Jo, danke für
die brutale Wahrheit, im Empathie-Seminar gepennt?“ war mein eigentlicher
Gedankengang. Im Ernst, warum sind Bankangestellte hinter dem Tresen unsagbar
höflich und verständnisvoll und klingen am Telefon so genervt wie Schuhputzer
in Indien, wenn man an einem ruhigen Freitagabend gegen halb elf eine
Stornierung beantragt?
Da ich es mit der Sparpolitik ein wenig so halte
wie Italien, habe ich als Konsequenz mein Einkaufs- und Konsumverhalten
überdacht und alles Unnötige von der regelmäßigen To-Buy-Liste gestrichen. Wie
öde. Ja, aber mein zerebrales Belohnungssystem möchte gebändigt werden. Das Wachstum
meiner Schuhsammlung steht in keinem Verhältnis mehr zum Negativwachstum meiner
Einnahmen. Auf gut deutsch: Pleite sein ist nicht lustig, denn es schränkt die
Möglichkeiten, die wir nutzen um unser Leben zu genießen, radikal ein. Askese
liegt nun mal nicht in meiner Natur.
Auf was verzichtet Frau
nun am ehesten? Auf meiner Liste stehen nicht nur heiße Vollbäder bei 28 Grad
Außentemperatur, sondern unter anderem auch Staubtücher, Mineralwasser,
Champignons und Sonnenmilch. Staub kann man wischen, womit man will, er ist
sowieso nach Sekunden wieder da. Mineralwasser sprudelt am schnellsten aus der
Leitung und erspart meinen Armmuskeln zudem Überstunden. Champignons konnte ich
früher nicht aussprechen und hab mir daher angewöhnt, sie auszuspucken. Dabei
ist es geblieben. Sonnenmilch ist in diesem regenreichen Sommer redundant.
Zudem steht ein ganzes Arsenal an Flaschen im Schrank und wartet auf die Rückkehr
des Ozonlochs. Nun gut. Durch diese Sparmaßnahmen bleibt also viel mehr Geld
übrig.
Nein. Es bleibt nie mehr
Geld übrig. Es ist, als würde unser Konto dauerhaft Wertvernichtung betreiben,
indem es unsere hart erkämpften Reserven verfuttert. Oder verbrennt. Das macht
keinen Unterschied, denn am Ende ist das Geld einfach weg. Beziehungsweise
haben es die falschen Leute, nämlich nicht wir oder unsere Freunde, die die
etwas eingeschlafene Freundschaft zu uns mit kleinen Aufmerksamkeiten wieder
aufkurbeln möchten.
Und so verzichten wir
gegen Monatsende nicht nur auf die kleinen Extras im Leben, sondern schwören
auch, im nächsten Monat gar nicht erst wieder in diese Bredouille zu geraten. Obwohl
wir wissen, dass das unmöglich ist. Meine Vermutung besteht darin, dass wir auf
darauf programmiert sind, Vorräte für schlechte Zeiten anzulegen, und da Geld
weder schmeckt noch wärmt, muss es eben anderweitig verarbeitet werden: in
Pullis, Schuhe, Schals, Hautcremes, Parfums, Topfpflanzen und diverse
Genussmittel. Zuweilen fallen darunter auch größere fortschrittliche
Entwicklungen, wie Tablets, Smartphones oder eine KitchenAid. Das Leben ist ja
schließlich kurz und einmalig. Meinen Muffinteig mit dem Schneebesen zu rühren ist
nicht nur ineffektiv, sondern für das Ergebnis auch nicht förderlich.
Geld regiert die Welt,
wie wir alle wissen. Und wir wollen gern die Welt regieren, liebend gern sogar,
aber uns mit Spionage-Debatten, Bürgerprotesten, Hunger und allen anderen
global aktuellen Schikanen herumärgern? Ich denke nicht. Im Gegenteil, arm wird
als sexy proklamiert, zumindest in meiner Stadt. Und wenn selbst amerikanische
Serienproduzenten dem Ausbleiben des finanziellen Erfolgs zweier junger Frauen
in einer populären amerikanischen Großstadt eine eigene Sendung widmen, kann
daran ja nicht so viel Falsches sein.
Trotzdem lobhuldige ich
am Monatsende den Erfinder des Dispokredites, der es mir trotz widrigster
Umstände ermöglicht, meine Frühstücksflocken zu bezahlen und nachts ruhig zu
schlafen. Hier greift ein weitere Oma-Weisheit: Geld macht nicht glücklich,
aber es beruhigt. Also sind wir doch wieder kapitalistisch. Mein Sparküken -
böhckt.
Weil sich Konsum und Sparen
zueinander verhalten wie ich und Champignons müssen Mittelwege gefunden werden,
die ein Auskommen mit dem Einkommen ermöglichen. (Mittelwege oder Kompromisse
wird es zwischen mir und Champignons nie geben. Wir sind uns einfach nicht
grün.) Wir müssen zu Sparfüchsen werden, immer und überall. Die Sonderangebote
in den Supermärkten leuchten uns ja ohnehin rot-gelb entgegen und schreien nach
Konsum. Zwei Flaschen Duschgel mit Kokos-Apfelsinen-Duft zum Preis von einem?
Ja, bitte! Fertigsauce mit Tomate,
Basilikum und – äh – Champignons? Na gut, wenn ich dadurch spare. Ein
Flohmarktbummel bietet sich da auch an. Schöne Secondhandkleidung (weil ich
nichts zum Anziehen habe), stilvolle, gebrauchte Glasvasen (für die Blumen, die
ich nie kaufe) und eine lange Liste an Büchern, die ich ohnehin schon immer
lesen wollte (und nie tun werde, weil ich damit beschäftigt bin, neue Bücher
und anderen Schund zu kaufen). Hauptsache, Quantität zum kleinen Preis um den
Konsumdrang zu stillen.
Wenn ihr dann nach dem
Duschen riecht wie der Lieblingskuchen eurer Oma, euch mit Büchern umgeben
habt, die wahrscheinlich öfter angefasst wurden als jede Amüsierdame auf der
Reeperbahn, und eure Kleidung euren Charakter unterstreicht, dann könnt ihr
eure soziale Seite hervorkehren und euch fragen, ob ihr eurem Konto nicht ein
kleines Bisschen davon abgeben wollt. Es hat sich ja schließlich bemüht, euch
bei der Anschaffung von alledem zu unterstützen. An den nächsten Monat hat es
trotzdem nicht gedacht.
Frohes Horten,
eure Foxy

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